Leipziger Eishockey-Geschichte(n): „Diese Schomburgks“

Anlässlich des Jubiläums 125 Eishockeysport in Leipzig blicken wir unter dem Motto „Leipziger Eishockey-Geschichte(n)“ auf Anekdoten, Ereignisse und Protagonisten aus der Leipziger Sporthistorie zurück. In dieser ersten Folge geht es um eine Familie, ohne die unser Sport wohl nicht jene Entwicklung genommen hätte.
 
Will man sich der Geschichte des Eishockeysports in Leipzig nähern, fängt man am besten von vorne an. Vor 125 Jahren war die Leipziger Eishockeywelt noch rund. Heute ist sie längst eine Scheibe – doch das ist (Achtung: Spoiler) ein anderes Thema und hat mit der Sportart und ihren Varianten (Stichwort: „Bandy“) im Wandel der Zeit zu tun.
 
Wir sind im Jahr 1901. Auf der Südhalbkugel wird Australien gegründet und in Stockholm werden erstmals Nobelpreise verliehen, u.a. an Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der Röntgenstrahlung. In den USA verdreifacht sich durch das Anbohren einer Ölquelle in Texas innerhalb eines Tages die Erdölproduktion und in Deutschland wird die Rechtschreibung vereinheitlicht und damit der Duden verbindlich. Während in Paris die erste Ausstellung des damals 19-jährigen Pablo Picasso eröffnet, wird bei Manchester der erste Zweitakt-Dieselmotor getestet. So viel zur zeitlichen Einordnung.
 
Leipzig war zu jener Zeit eine pulsierende und boomende Großstadt und eine der bedeutendsten deutschen Metropolen. Handel, Messen, Buchdruck und Musik prägten die Stadt und viele der markanten Gebäude, Passagen und Straßenzüge waren fertiggestellt oder gerade im Bau.
Eine der bekanntesten Leipziger Familien waren die Schomburgks, deren Stammbaum sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Heinrich Georg Schomburgk war ein bekannter und einflussreicher Großkaufmann und nicht nur der Schwiegersohn von Karl Heine (ja, das ist jener Industriepionier, der den nach ihm benannten Kanal anlegen ließ), sondern auch Teilhaber an dessen Unternehmen.
Jener Heinrich Georg Schomburgk (1843-1928) und seine Frau Doris Eugenie Schomburgk (1847-1931) hatten sieben Kinder, darunter die Söhne Arthur, Wilhelm und Heinrich Schomburgk.

Es war Arthur Schomburgk, der als Kaufmann viel unterwegs war und auf einer seiner Nordamerikareisen den Eishockeysport kennenlernte. Kennenlernen ist das eine, diesen Sport hier zu etablieren das andere. Doch die Schomburgks waren nicht nur sportbegeistert und talentiert, sie waren auch richtige „Macher“, wie man heute vielleicht sagen würde.
 
Arthurs Brüder Wilhelm und Heinrich wurden mit dem VfB Leipzig 1906 deutscher Fußballmeister. Heinrich wurde 1912 sogar Olympiasieger (!) im Tennis. Er gewann Gold im Mixed mit der Dresdnerin Dora Köring. Bruder Wilhelm, ein Jurist und Bankier, machte sich auch als Funktionär einen Namen. Er sorgte für die Aufnahme des Eishockeys in den Deutschen Hockey-Bund, war Mitgründer des Deutschen Tennis-Bundes und in den 1930er Jahre sogar Präsident des DTB. Dieser ernannte ihn 1949 zu seinem Ehrenpräsidenten.
 
Die sportliche Heimat von Wilhelm und Heinrich Schomburgk war aber der Leipziger Sport-Club, den sie 1901 gründeten – zunächst als Eishockeyverein. Der LSC existiert heute noch und feiert demzufolge ebenfalls das Jubiläum 125 Jahre. Mehr dazu in der nächsten Folge der „Leipziger Eishockeygeschichte(n)“.
 
Foto: Das LSC-Team um 1905 mit den Brüdern Heinrich (vorne links) und Wilhelm Schomburgk (hinten links). Foto dankenswerterweise bereitgestellt vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig.